Was ich unter systemischem Coaching verstehe

Neue Perspektiven eröffnen

Coaching setzt „das Potential eines Menschen frei, seine eigene Leistung zu maximieren. Es hilft ihm eher zu lernen, als daß es ihn etwas lehrt“.1 Das bedeutet, dass in erster Linie die Coachin ihre Coachee dabei unterstützt, eine Schwierigkeit oder eine Herausforderung aus anderen Perspektiven zu betrachten. Dazu unterstützen systemische Techniken und Methoden die Arbeit mit dem Systembrett oder die Erstellung eines sozialen Atoms.

Beziehungen und Wahrnehmungen verstehen

Beim systemischen Coaching schauen wir immer auf das im Fokus stehende System, z.B. das Projektteam. Dabei werden alle Personen, die diesem System angehören, betrachtet. Über die real existierenden Beziehungen in einem (sozialen) System hinaus geht es um die wahrgenommen Beziehungen der Personen im System untereinander.2 Wie nehmen die einzelnen Personen im sozialen System die Beziehungen untereinander – subjektiv – wahr? Wo unterscheiden sich diese Wahrnehmungen untereinander?

Eigene Rollen erkennen und reflektieren

Von Geburt an sind Menschen Mitglieder sozialer Systeme, in denen sie nach und nach lernen, verschiedene Rollen zu übernehmen.3 Im Erwachsenenalter gehören sie dementsprechend einer schwankenden Anzahl von sozialen Systemen an, in denen sie eine oder mehrere Rollen bekleiden. Das kann zu Rollenkonflikten führen, die betrachtet und gelöst werden wollen, wie das Zusammenspiel der Rollen Professorin, Projektleiterin, Mentorin, Mutter, Ehepartnerin, Elternratsmitglied und z.B. Chormitglied. Um sich der Vielfalt und Dynamik der eigenen Rollen bewusst zu werden, können systemische Methoden wie die Proaktive Rollenanalyse eingesetzt werden.

Eigene Lösungen finden und Selbstwirksamkeit stärken

Ziel des systemischen Coachings ist es, das zentrale Anliegen zu erfassen. Das kann ganz unterschiedlich sein (siehe Coaching-Angebote). Im Kern geht es darum, die Coachee zur eigenständigen Lösung des Problems oder des Anliegens zu begleiten und sie dabei in ihrer Selbstwirksamkeit zu stärken. Dabei gilt es, die soziale Persönlichkeit und das eigene Bewusstsein der Coachee zu unterstützen und Antworten zu finden, worum es geht, wer wie beteiligt ist – zu reflektieren, wie etwas erlebt und erfahren wird.4

Fachwissen gezielt einbringen

Über dieses prozessorientierte Coaching hinaus gibt es das Expertinnen-Coaching: so kann spezifisches Wissen der Coachin mit in das Coaching einfließen, wie etwa Wissen über den Ablauf von Berufungsverfahren.

  1. Whitemore, John. 1994. Coaching für die Praxis. München: Wilhelm Heyne Verlag
  2. Brunner, Ewald Johannes. 2007. Systemische Beratung. In: Nestmann, Frank/ Engel, Frank/ Sickendiek, Ursel. Das Handbuch der Beratung. (2. Auflage) Tübingen: dgvt-Verlag
  3. Staub-Bernasconi, Silvia. 2005. Systemisches Denken und Handeln in der Sozialen Arbeit. . In: Kreft, Dieter/ Mielenz, Ingrid: Wörterbuch Soziale Arbeit. Aufgaben, Praxisfelder, Begriffe und Methoden der Sozialarbeit und Sozialpädagogik. (5. Aktualisierte Auflage) Weinheim und Basel: Beltz Juventa (S.945-951)
  4. Lüssi, Peter. 2001. Systemische Sozialarbeit. Praktisches Lehrbuch der Sozialberatung. (5. Auflage) Bern, Stuttgart, Wien: Haupt