Mein Weg zur Professur

Mein Studium der Diplom-Sozialarbeit absolvierte ich von 1992 bis 1997 in Köln und war anschließend als Jugendreferentin mit einem politischen Mandat beim Diözesanverband der Christlichen ArbeiterInnenjugend tätig. Meine Aufgabe war es, diesen Jugendverband neu aufzubauen. Dies gelang mittels einer Imagekampagne, eines Bauwagenprojektes, viel Beziehungsarbeit sowie politisch-demokratischer Bildungsarbeit.

Im Jahr 2004 verabschiedete ich mich nach fünfjähriger Tätigkeit vom kirchlichen Träger und widmete mich meiner Doktorarbeit zum Thema „Nachhaltigkeit von Zukunftswerkstätten“, einer Partizipationsmethode, die ich als Referentin extern bei Dr. Norbert Müllert und Horst Mauer erlernt hatte und nebenberuflich in dieser Zeit als Moderatorin bereits ausübte. Im Kern ging es mir um die partizipative Verwirklichung von erdachten und zukunftsweisenden Projektideen, also um eine soziale Nachhaltigkeit in Organisationen und Gesellschaft.

Der richtige Zeitpunkt für Kinder?

Es gibt keinen richtigen Zeitpunkt, Kinder zu bekommen; so bekam ich meine Tochter während meiner Doktorarbeitsphase im Jahr 2005. Ich hatte bereits ein Jahr zuvor Vollzeit an meiner Arbeit geschrieben, nach der Geburt benötigte ich zur Fertigstellung weitere drei Jahre. Das gelang durch eine tragende Partnerschaft mit dem Vater meiner Tochter, doch auch durch meinen Willen, meine zeitliche Organisation und mein Durchhaltevermögen.

Nach Fertigstellung der Promotion und der Ausübung verschiedener Lehraufträge gelang mir 2009 fast nahtlos die Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit in einer Beratungsgesellschaft, die mich u.a. deutschlandweit einsetzte, um lokale Bündnisse für Familien aufzubauen (https://www.lokale-buendnisse-fuer-familie.de/). Obwohl eine Vollzeitkraft gesucht war, hatte ich mich mit dem Angebot, 25 Stunden die Woche zu arbeiten, beworben und bekam die Stelle. Trotz eines befristeten Zweijahresvertrags wurde ich gewollt wieder schwanger und bekam im Oktober 2009 meinen Sohn. Doch nach Bekanntgabe der Schwangerschaft wurde eine angekündigte Gehaltserhöhung nicht eingelöst und nach der Geburt der Vertrag nicht verlängert. Diese Erfahrung war damals ernüchternd, doch auch lehrreich in Bezug auf Leadership/ Führungsstile/ Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz und das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Als Professorin und Mutter wachsen

Nach der zweiten Geburt machte ich eine einjährige Pause – okay nicht ganz, ich machte damals eine Ausbildung zur systemischen Coachin. Dann gelang mir im Oktober 2010 der Sprung auf eine Vertretungsprofessur für Schul- und Unterrichtsentwicklung in Kassel. Seit Oktober 2011 bin ich Professorin an der Hochschule München. Beim Antritt meiner Professur in München wohnte ich noch mit meiner Familie in Köln und pendelte bis September 2012. Dann zog ich mit der Familie nach München.

Nun sind meine Kinder junge Erwachsene und gerade durch sie durfte ich viel lernen, was auch als Professorin und als Leadership nützlich ist:

  • Authentisches Vorbild sein
  • Bedürfnissen ernst nehmen, Empathie zeigen, Verletzlichkeit zulassen
  • Autoritätsperson sein, für Halt sorgen, den Weg ebnen
  • Grenzen setzen, um Orientierung zu geben
  • Kreativ sein, auch einmal etwas Verrücktes tun, anders denken, die Welt aus einer anderen Perspektive sehen
  • Freiraum geben, um Entfaltung zu ermöglichen
  • Organisation und Zeitmanagement nutzen, um den Tag zu planen, Verabredungen zu treffen, Prioritäten zu setzen
  • Netzwerke schaffen: zum Spaß, zur gegenseitigen Entlastung, zum gegenseitigem Austausch sowie Achtsamkeit mit anderen und Selbstfürsorge

Stracke-Baumann. 2022. Nachhaltigkeit von Zukunftswerkstätten. Beiträge zur Demokratieentwicklung von unten Nr. 23. (4. korrigierte Auflage) Bonn: Stiftung Mitarbeit

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